2025 I Wallstein Verlag I Göttingen


Ein eindringliches Debüt über Flucht, Sprache und Heimatverlust.

Es ist ein Morgen im Zahnarztstuhl: ein Splitter im Mund, ein Kieferknacken, die Ahnung, dass Worte nicht mehr über die Lippen wollen. Die Erzählerin von „ë“ schaut zurück auf eine Kindheit zwischen zwei Ländern, auf Flucht und Ankommen, auf das Schweigen einer Mutter und das lautlose Verschwinden eines Großvaters im Krieg. Der Buchstabe „ë“ bleibt unsichtbar – und zeigt, wie sehr Sprachlosigkeit Wirklichkeit wird. In der Diaspora, im deutschen Alltag, im Studium – immer wieder stößt sie auf Fragen, auf Zuschreibungen, auf eine Herkunft, die nicht vollständig gehört wird. Jehona Kicaj entfaltet eine Erzählung von großer Präzision und Sensibilität: Heimat ist hier nicht ein Ort, sondern ein Gefühl, ein Wort, ein Verlust. Ein Roman über das Sprechen, obwohl wir nichts mehr hören wollen – und über das Hören, obwohl wir nichts mehr sagen können.

Wie sehr prägt uns der Buchstabe, den wir nicht sagen können?

Wie viel Raum bleibt uns zwischen Flucht und Ankommen?


„ë“ von Jehona Kicaj ist ein beeindruckendes Debüt mit radikaler sprachlicher Klarheit und großer thematischer Tiefe. Die Autorin schafft eine Erzählerin, deren Innenwelt und Erinnerungen so präzise beschrieben sind, dass man das Schweigen förmlich spürt. Der Roman verbindet individuelle Lebensgeschichte mit historischer Erinnerung – der Krieg im Kosovo, die Flucht, die Diaspora – und setzt daraus eine poetische, aber keine ästhetisierende Erzählung. Sprachverlust und Sprachgewinn treten hier in ein Spannungsverhältnis, das selten so direkt und doch so zart beschrieben wurde. Für Leser:innen, die sich auf das Zwischen-Land einlassen wollen – auf Herkunft und Sprache, Trauma und Neubeginn – ist dieses Buch ein wichtiger Beitrag.

Ein Buch für wenn du dich nach Zugehörigkeit sehnst und du ahnst, dass Identität nicht Heimat, sondern Bewegung ist.


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