

Ein verspielter, unzuverlässiger Roman über Psychotherapie, Identität und Wahrheit. In Fallstudie entführt Graeme Macrae Burnet in die Tiefen der menschlichen Psyche. Ein raffinierter Roman über Identität, Wahnsinn und die Frage, wie viel von dem, was wir sehen, wirklich die Wahrheit ist – spannend und verstörend zugleich.
Ein fiktiver Psychiater, ein gefundenes Notizbuch, ein Roman, der sich als Dokument ausgibt. Graeme Macrae Burnet verwischt die Grenze zwischen Wahrheit, Wahn und Rolle mit literarischer Präzision. Er spielt mit Format, Stimme und Identität und legt dabei offen, wie tief Psychologie und Fiktion ineinandergreifen.
Was bleibt von einer Figur, wenn man ihr glaubt und dann alles in Frage stellen muss?
Fallstudie ist ein intelligenter, doppelbödiger Roman, der mit der Form spielt, ohne sich darin zu verlieren. Burnet nutzt das Setting der Psychotherapie nicht, um zu analysieren, sondern um Instabilität zu erzeugen. Wer spricht? Wer schreibt? Wer lügt? Die Konstruktion ist raffiniert, der Ton kontrolliert, der Zweifel bleibt konstant.
Kritisch mag man fragen, ob das Spiel mit Identität nicht zu sehr auf Konstruktionsebene bleibt. Empathie entsteht kaum, Nähe wird vermieden. Doch genau diese Kälte macht den Text so reizvoll. Fallstudie ist kein psychologischer Roman, sondern ein Roman über psychologische Lesarten.
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